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25.10.2020 16:23

Das Märchen vom GrünGürtelPark um Nieder-Eschbach.

Es war einmal ein Koalitionsvertrag. Die Empörung über den von den Frankfurter Stadträten Mike Josef, Markus Frank und Rosemarie Heilig im stillen Kämmerchen ausgeheckten Plan, die Natur- und Ackerflächen im Westen Nieder-Eschbach angrenzend an die Züricher Straße und die Anna-Lindh-Allee mit einem Gewerbegebiet zu bebauen, hält an. 

Am 20. September 2020 trafen sich nach ihrer spontanen Gründung anlässlich der Demo am 04.09.2020 auf den landwirtschaftlichen Flächenvor Nieder-Eschbach rund 32 Mitglieder der neu gegründeten Bürgerinitiative „Niedereschbachwehrtsich“ im Darmstädter Hof. Tatkräftige Organisatoren der Bürgerinitiative sind allen voran Diana Gelszinnis, Sina Batista-Sanchez sowie Tammo Bonke. Vielen Dank an Familie Carevic, die die Räumlichkeiten coronagerecht zur Verfügung stellte.  

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, die zeigte, dass jeder zahlreiche Gründe anführen kann, warum dieses angedachte Vorhaben keine Zukunft haben darf, wurden zunächst viele Ideen, Vorschläge und Argumente gesammelt: 

Es wurde von den anwesenden Ortsbeiratsmitgliedern Tanja Raab-Rhein und Heike Stauder erläutert, der Ortsbeirat habe von dem Vorhaben erst aus der Zeitung erfahren.  

Die Anwesenden äußerten unisono ihre große Enttäuschung darüber, auf welche unverschämte Weise sich amtierende Politiker wieder einmal über die Versprechen der vergangenen Politik hinwegsetzen möchten; frei nach dem Motto: „Was kümmert uns das Geschwätz von gestern?“ 

Der GrünGürtel war beschlossene Sache – bis das Gewerbegebiet auf die Agenda kam 

Ein  Teil  der  Flächen  sind  als  Ausgleichsflächen  für  die  geschaffenen  Gewerbegebiete  um  Ikea, Hornbach und Frischezentrum bestimmt und mit Steuergeldern renaturiert worden. Es wurde seiner Zeit  den  Bürgern  versprochen,  diese  und  die  angrenzenden  landwirtschaftlichen  Flächen als Grüngürtel  und  als  Frischluftzone  für  Nieder-Eschbach  unberührt  zu  lassen. Dieses  Versprechen wurde im Regionalen Flächennutzungsplan 2010 festgehalten. Dort wurden für die streitige Fläche Vorbehaltsgebiete  für  Klimaschutz  und  Wasserschutz  und  das  Vorranggebiet  Regionaler Grünzug eingeplant. Ferner sind die renaturierten Flächen als besonders ökologisch schützenswerte Flächen und die übrigen Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung eingezeichnet. Klingt so toll, dass sich auch die derzeit noch regierenden Koalitionsparteien im Römer in ihrer Koalitionsvereinbarung diesenFestsetzungen verpflichtet fühlten und Folgendes vereinbarten: 

„Der GrünGürtel, …, ist ein besonders Markenzeichen unserer Stadt. Er wird vor Bebauung geschützt und  wo  möglich,  erweitert.  Zum  Beispiel  in  dem  wir  die  Flächen  des  künftigen  „GrünGürtelPark Nieder-Eschbach“ sukzessive dem GrünGürtel zuschlagen.“ 

Im  Weiteren  ist  in  der  Koalitionsvereinbarung  zu  lesen,  dass  der  GrünGürtel  die  Folgen  des Klimawandels abmildern soll und dass gerade in den dicht bebauten Stadtteilen Erholungs- und nicht-kommerzielle Begegnungsräume geschaffen werden sollen.   

Raum für Erholung und Begegnung schaffen 

So betonten alle Anwesenden, das Gebiet sei für sie Naherholungsgebiet, indem man dort  spazieren, abschalten,  Gassi  gehen,  Sport  treiben,  frische  Luft  schnappen,  auf  die  Bäume  klettern,  Drachen steigen lassen und vieles Mehr unternehmen könne. Das Gebiet hat sich zu einem Gebiet, das der Gesunderhaltung  von  Körper  und  Seele  dient,  entwickelt  und  ist  für  die  Nieder-Eschbacher 

unverzichtbar!    Es waren sich alle einig, die Luft habe sich zunehmend verschlechtert. Früher habe man die frische Taunusluft gerochen. Nach der Errichtung der Gewerbegebiete in den vergangenen Jahren habe sich die  Wahrnehmung  deutlich  geändert.  Einhergehend  mit  dem  Klimawandel  erwärme  sich  Nieder-Eschbach zunehmend. Einzig auf diesen Flächen könne man wahrnehmen, wie dort zumindest ein frischer Wind entstehe und es merklich kühler als im Ortskern sei.  

Keiner  der  Anwesenden  mochte  sich  vorstellen,  wie  sich  die  klimatischen  Verhältnisse  noch  zum Schlechteren wenden würden, wenn das Gebiet zum Gewerbegebiet mit allen zu erwartenden Folgen für Verkehr und Lärm umgewidmet und bebaut würde.  

Herausgestellt wurde dabei auch, dass die bereits fertig geplanten Baugebiete „Am Eschbachtal  – Harheimer Weg“, „Nieder-Eschbach Süd“, „Nordwestlich Auf der Steinernen Straße“ und „Nieder- Eschbach – Am Hollerbusch“ jede Menge Verkehr, Lärm und in der Bauphase auch Staubbelastung mit sich bringen werden. Die klimatischen Folgen sind insoweit noch nicht abzusehen, zumal die ersten Häuser der Bebauung Süd bereits erahnen lassen, dass sich die Stadt hier größere Baukörper als im Ortskern vorstellt. Die Stadt hat bis heute kein schlüssiges Verkehrskonzept vorgelegt.  

Die Landwirtschaft als Schatz  

Frau  Landwirtin  Claudia  Seibold  schilderte  von  ihren  Bemühungen,  auch  andere  Landwirte  zu mobilisieren. Sie berichtete, es handele sich bei den Ackerflächen um äußerst wertvolle Böden (es sollen  wohl  Hessens  beste  Böden  sein!),  die  zusammen  mit  den  weiteren  Äckern  im  Frankfurter Norden die Kornkammer Frankfurts seien. Auch wies sie darauf hin, sie und die weiteren Landwirte seien zum Erhalt ihrer Existenz auf Ackerflächen dringend angewiesen. Insoweit mutet es wenig sozial an, die Erwerbsinteressen der Landwirte den Interessen anderer Unternehmen, die unter Umständen in  Frankfurt  noch  gar  nicht  ansässig  sind,  unterzuordnen.  Das  alles  nur,  weil  Bauern  keine Gewerbesteuer  zahlen  würden.  Ferner  habe  der  Lockdown  in  Europa  mit  seinem  zeitlichen Zusammenbruch der Lieferketten doch sehr deutlich den Wert regional erzeugter Produkte gezeigt.  Aus Sicht des Arten- und Naturschutzes verbiete sich die Bebauung ebenfalls. Seltene Tierarten hätten sich angesiedelt.  

Im  Nachgang  wurde  der  Initiative  noch  zugetragen,  mindestens  ein  großes  Unternehmen  zahle angeblich gar keine Gewerbesteuer. Dies stellt die Sinnhaftigkeit weiterer Betonflächen umso mehr in Frage!   

Klargestellt  wurde  auch,  es  gehe  den  Nieder-Eschbachern  nicht  darum,  nur  „Nein“  zu  schreien, sondern Nieder-Eschbach hat bereits für die Wohnbebauung und die Gewerbegebiete der 70er/80er Jahre und in den vergangenen Jahren viele Flächen hergeben müssen. Es könne nicht alles zubetoniert werden. In diesem Rahmen wurden alternative Möglichkeiten, wie die Stadt Einnahmen ohne neue Betonflächen generieren könne, diskutiert.  

Gemeinsam für die Sache  

Es  herrscht  unter  den Mitgliedern  auch Einigkeit  darüber,  die  Nachbargemeinden  Ober-Eschbach, Bonames und Nieder-Erlenbach mit ins Boot zu holen. Denn die klimatischen Auswirkungen dieses Vorhabens  wären  auf  Nieder-Eschbach  nicht  begrenzt.  Schließlich  wären  gerade  die  Nieder-Erlenbacher,  die  –  aus  welchen  Gründen  auch  immer  –  bislang  von  der  Bau-  und  Betonwut  der Stadtregierung verschont geblieben seien, sicherlich die nächsten Kandidaten, die den Flächenhunger 

der Stadt sättigen müssten.  Schließlich wurde auch darauf hingewiesen, sämtliche Anwohner und Erwerber, die sich beim Kauf ihrer Immobilie über die Freiflächen informiert hätten, seien getäuscht worden und müssten nach Errichtung des Gewerbegebietes den Wertverlust ihrer Immobilie hinnehmen. Die Stadt werde sicher nicht für diesen Kollateralschaden aufkommen. 

Die Chance nutzen und sich im Römer Gehör verschaffen 

Mit den Gedanken des Treffens im Kopf machten sich rund 10 Nieder-Eschbacher einschließlich zweier Ortsbeiräte am 21. September 2020 auf den Weg in den Römer zum Planungsausschuss. Einige, unter anderem  auch  Mitglieder  des  Ortsbeirates,  hielten  jeweils  ein  engagiertes  Plädoyer  gegen  eineBebauung, obwohl die Tagesordnungspunkte unseres Ortsbeirates zunächst zurückgestellt wurden.  Das hindert uns aber nicht daran, zu den nächsten Sitzungen Ende Oktober wieder präsent zu sein. Wir haben einen langen Atem.  

Leider wurden die Sorgen und Nöte der Eschbacher bislang nicht gehört. Der Frankfurter Magistrat hat  das  Gewerbeflächenentwicklungsprogramm  und  den  GrünGürtel-Park  Nieder-Eschbach-Rahmenplan zwischenzeitlich beschlossen. Die Pläne gehen nun zur Beratung und Diskussion in die Stadtverordnetenversammlung.  Die  Pläne  sehen  –  wie  bereits  befürchtet  -  ein  weiteres Gewerbegebiet nördlich der Züricher Straße auf den streitigen Flächen vor.  

Von der Interessengemeinschaft zur Bürgerinitiative e.V.? 

In der Diskussion ist die Gründung eines Vereins, der die Abwehr zukünftiger Bauvorhaben um Nieder-Eschbach herum zum Ziel hat.  

Gesucht werden daher tatkräftige Unterstützer der Bürgerinitiative und eines zu gründenden Vereins. Alle Nieder-Eschbacher, die auch in Zukunft nicht in Gestank, Lärm und Verkehr ersticken wollen, sich des Naherholungsgebietes erfreuen wollen, sich über das landwirtschaftliche Gepräge des Frankfurter Nordens freuen und auch den Tieren ihren Lebensraum erhalten wollen, sind aufgerufen, sich den Plänen entgegenzustellen!  

Die Nieder-Eschbacher Initiative „#Niedereschbachwehrtsich“ freut sich über jedes neue Mitglied! Jeder,  von  jung  bis  alt,  alteingesessen  oder  zugezogen,  kann  zum  Erhalt  unserer  Lebensqualität beitragen. 

Text: Petra Kielmann, Diana Gelszinnis 

E-Mail: niedereschbachwehrtsich@remove-this.gmail.com

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